Pflegegrad höherstufen lassen: Ein Leitfaden

Carsten Hackamp • 4. Februar 2026

Pflegebedürftigkeit ist kein stagnierender Zustand. Im Laufe der Zeit kann sich der Gesundheitszustand verschlechtern. Dann kann es passieren, dass der aktuelle Pflegegrad nicht mehr ausreicht, um die benötigten Leistungen aus der Pflegeversicherung zu erhalten. Viele pflegende Angehörige fühlen sich in dieser Situation unsicher und wissen nicht genau, wie sie vorgehen sollen, um die notwendige Höherstufung des Pflegegrades zu erreichen. Keine Sorge, Sie sind mit dieser Herausforderung nicht allein. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie einen höheren Pflegegrad beantragen können, um die Unterstützung zu bekommen, die wirklich gebraucht wird. 

Was ist ein Pflegegrad?

Eine kurze Erklärung vorab: Ein Pflegegrad ist ein System zur Einstufung der Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen. In Deutschland richtet sich die Einstufung nach dem Neuen Begutachtungsinstrument (NBI). Dieses bewertet verschiedene Aspekte der Selbstständigkeit und vergibt je nach Stärke der Einschränkung einen der fünf Pflegegrade – von geringer Beeinträchtigung (Pflegegrad 1) bis zu schwerster Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (Pflegegrad 5). Nur wer einen anerkannten Pflegegrad hat, erhält auch Leistungen aus der Pflegekasse. Dabei variieren diese in ihrer Art und Höhe je nach Pflegegrad.

Wann wird eine Höherstufung des Pflegegrads nötig?

Die Bedürfnisse eines pflegebedürftigen Menschen können sich jederzeit ändern. Eine Höherstufung des Pflegegrads wird dann notwendig, wenn sich der Gesundheitszustand deutlich verschlechtert hat – zum Beispiel nach einem Sturz oder aufgrund einer fortschreitenden Erkrankung wie Demenz. Wenn der vergebene Pflegegrad folglich nicht mehr dem tatsächlichen Pflegebedarf im Alltag entspricht, ist eine Höherstufung entscheidend. Nur so kann sichergestellt werden, dass ausreichend finanzielle Mittel und pflegerische Leistungen zur Verfügung stehen, um die Unterstützung an die tatsächlichen Bedürfnisse anzupassen und eine qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten.

Der richtige Zeitpunkt für einen Antrag auf Höherstufung ist dann gekommen, wenn Sie eine deutliche und dauerhafte Zunahme der Hilfsbedürftigkeit feststellen. Achten Sie dazu auf Veränderungen in sämtlichen Bereichen, die für die Pflege relevant sind, beispielsweise:

  • Benötigt Ihr Angehöriger plötzlich mehr Hilfe bei der Körperpflege, beim An- und Ausziehen oder bei der Nahrungsaufnahme?
  • Hat sich die Mobilität so verschlechtert, dass der Transfer ins Bett oder zum Rollstuhl aufwendiger geworden ist?
  • Gibt es eine Zunahme von Verhaltensweisen, die eine stärkere Beaufsichtigung erfordern (z. B. Hinlauftendenz bei Demenz)?
  • Treten neue oder verstärkte Schwierigkeiten bei der Orientierung oder bei der Kommunikation auf?
  • Hat sich der Aufwand für krankheits- oder therapiebedingte Anforderungen erhöht (z. B. häufigere Medikamentengabe, komplexere Wundversorgung)?
  • Zeigt Ihr Angehöriger zunehmende Schwierigkeiten bei der Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte?
  • Ist der Zeitaufwand für die Pflege spürbar gestiegen?

Schritt für Schritt zur Höherstufung des Pflegegrads

IDer Prozess für eine Höherstufung des Pflegegrads mag zunächst bürokratisch wirken, ist aber mit der richtigen Vorbereitung gut zu meistern. Gehen Sie wie folgt vor: 

  • Schritt 1 - Antrag stellen: Für den ersten Schritt genügt ein formloser Antrag, den Sie bei der zuständigen Pflegekasse einreichen. Sie können dies telefonisch oder schriftlich erledigen. Wichtig ist das Datum des Antrags, denn die Leistungen werden gegebenenfalls rückwirkend ab diesem Tag gezahlt. Warten Sie danach unbedingt die schriftliche Bestätigung des Antrags durch die Pflegekasse ab.
  • Schritt 2 - Begutachtung: Nach Ihrem Antrag wird die Pflegekasse den Medizinischen Dienst (MD) – bei Privatversicherten Medicproof – beauftragen, den Pflegebedarf zu begutachten. Wie bereits bei der Erstbegutachtung bewertet der Gutachter die Selbstständigkeit Ihres Angehörigen in sechs Modulen, die verschiedene Lebensbereiche abdecken: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte. Für jedes Modul wird der Grad der Selbstständigkeit mit Punkten bewertet. Die Gesamtpunktzahl aus diesen Modulen ergibt schließlich den Pflegegrad.
  • Schritt 3 - Bescheid der Pflegekasse: Innerhalb weniger Wochen nach der Begutachtung erhalten Sie den Bescheid der Pflegekasse. Diesem können Sie entnehmen, ob ein höherer Pflegegrad festgestellt wurde.
  • Schritt 4 - Widerspruch (falls nötig): Stimmt die zugewiesene Einstufung mit dem tatsächlichen Bedarf und Ihren Beobachtungen überein? Solltest Sie mit dem Ergebnis nicht einverstanden sein, weil der Pflegegrad weiterhin zu niedrig ist oder der Antrag abgelehnt wurde, können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Begründen Sie den Widerspruch detailliert. Oft führt ein gut begründeter Widerspruch zu einer erneuten Begutachtung oder direkt zu einer Anpassung des Pflegegrads. Falls auch der Widerspruch erfolglos bleibt, können Sie vor dem Sozialgericht klagen.

Gibt es einen Eilantrag für die Höherstufung des Pflegegrads?

In manchen Fällen ist eine schnelle Entscheidung gefordert. Das kann etwa sein, wenn nach einem Krankenhausaufenthalt dringend erweiterte Pflegeleistungen benötigt werden oder sich der Gesundheitszustand innerhalb kurzer Zeit drastisch verschlechtert. In einem solchen Fall können Sie einen Eilantrag stellen. Die Begutachtung erfolgt dann innerhalb der nächsten fünf bis zehn Tage.

Was sollte ich für den Antragsprozess beachten?

Einige zusätzliche Tipps können Ihnen helfen, den Antragsprozess reibungsloser zu gestalten:

  • Pflegetagebuch führen: Die wichtigste Grundlage für einen erfolgreichen Antrag ist eine lückenlose Dokumentation des erhöhten Pflegebedarfs. Führen Sie ein Pflegetagebuch, in dem Sie täglich notieren, welche Hilfen wann und wie lange benötigt werden. Seien Sie dabei so präzise wie möglich und notieren Sie selbst kleine Hilfen, die im Alltag selbstverständlich erscheinen.
  • Ärztliche Atteste: Sammeln Sie alle relevanten medizinischen Unterlagen, die den verschlechterten Gesundheitszustand belegen - ärztliche Befunde, Diagnosen, Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus oder Medikamentenpläne.
  • Seien Sie vorbereitet: Legen Sie alle Dokumente übersichtlich bereit und besprechen Sie den Ablauf des MD-Besuchs im Vorfeld mit dem Pflegebedürftigen, um Ängste oder Missverständnisse zu vermeiden.
  • Kommunizieren Sie offen: Seien Sie beim Gespräch mit dem Gutachter offen und ehrlich. Beschreiben Sie den tatsächlichen Hilfebedarf, auch an "guten Tagen". Es ist wichtig, dass sowohl der Pflegebedürftige als auch Sie selbst als Vertrauensperson anwesend sind, um alle Fragen klären zu können.
  • Keine Scheu vor Hilfe: Es ist keine Schwäche, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Der Prozess kann komplex sein, und es gibt viele Anlaufstellen, die Ihnen helfen können.

Wie kann ein Pflegedienst bei der Höherstufung des Pflegegrads unterstützen?

Ein professioneller Pflegedienst kann eine wertvolle Unterstützung im gesamten Prozess der Pflegegrad-Höherstufung sein. Beim PTW Pflegeteam bieten wir Ihnen eine umfassende Beratung an, um Ihnen zu helfen, den Pflegebedarf realistisch einzuschätzen und den Antrag korrekt zu stellen. Auch können wir Ihnen erklären, worauf es bei der Dokumentation im Pflegetagebuch ankommt. Für die Begutachtung haben wir dank jahrelanger Branchenerfahrung ebenfalls wertvolle Tipps. Sollte der Bescheid nicht Ihren Erwartungen entsprechen, können wir Sie außerdem bei der Formulierung und Begründung eines Widerspruchs unterstützen.

Fazit: Ihr Recht auf passende Unterstützung

Die Höherstufung des Pflegegrads ist ein wichtiger Schritt, um die Pflege an veränderte Bedürfnisse anzupassen und die bestmögliche Versorgung im individuellen Fall zu sichern. Es ist Ihr gutes Recht, diese Unterstützung zu beantragen, wenn der Bedarf steigt. Lassen Sie sich dabei nicht von bürokratischen Hürden abschrecken. Wenn Sie eine individuelle Beratung und Unterstützung im Prozess der Pflegegrad-Höherstufung wünschen, sind wir gerne für Sie da. Sprechen Sie uns jederzeit an!

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